THE VISUAL EFFECTS PIT – Tipps zum Einstieg in die VFX Welt

Ich bin Visual Effects ( VFX ) Artist aus Köln, aber das war nicht immer so. Auch ich stand mal an einem Punkt an dem ich mich gefragt habe „Wie zum Geier werde ich eigentlich zum VFX Artist?“…und das ohne den üblichen Weg direkt über ein Studium zu gehen…Ich wurde nämlich nicht angenommen.

[Werbungs Hinweis]
Da ich in diesem Blog Eintrag auf diverse Software Programme und Seiten hinweise und verlinke möchte ich kurz darauf hinweisen, das es sich hierbei um Werbung für diese handelt, ich für diese aber weder bezahlt noch angefragt wurde. Es sind nur meine persönlichen Empfehlungen. Ok, let´s go!

DIE AUSGANGSLAGE
Mal abgesehen davon das ich ein wenig Basic Kenntnisse in After Effects hatte, war ich noch weit davon entfernt ein Visual Effects Artist zu sein. Ich hatte keine großen Kontakte in der Branche und erst recht keine besonders guten Referenzen zum Vorzeigen.

A bad starting point….

Mein damaliger Stand war das ich zwar schon in der Film- und Videobranche tätig war, jedoch nur als Cutter. Innerhalb von 2 Jahren hatte ich es aber geschafft schon in einem Kinofilm mitzuwirken, fing an ganze Gruppen in After Effects weiterzubilden und mehr Arbeiten folgten u.a. auch in der Automotive Branche. Mit diesem Blog Eintrag will ich euch meine Tipps an die Hand geben mit denen ich den Einstieg in die VFX Welt geschafft habe.


Tipp 1 – Die passende Software

Lernt die passende VFX Software für den Bereich in dem ihr arbeiten möchtet. Überlegt welcher Bereich euch mehr liegt. Ist es der 3D Bereich arbeiten oder lieber im 2D Bereich? Vielleicht wollt ihr aber auch beide Welten miteinander kombinieren und beides lernen. Hier ist eine Liste mit verschienden Sofware Apps aus dem VFX Bereich.

3D SOFTWARE
Blender
Blender ist kostenlos, wird jedoch meines Wissens nach nicht wirklich im Kino Bereich verwendet, nichts desto trotz ist es eine extrem gute Software.

MAXON Cinema 4D
Cinema 4D wird häufig im TV Bereich und in Werbe Agenturen eingesetzt. Es gibt eine kostenlose Schüler und Studentenversionen, sowie eine abgespeckte Version welche im Abo von After Effects CC automatisch mitgeliefert wird (Benannt als Cinema 4D Light)

AUTODESK Maya und 3DS Max
Maya und 3DS Max werden häufig im Kinobereich eingesetzt. Es gibt eine kostenlose 30 Tage Test Version für Maya und für 3DS Max.

2D Software
ADOBE After Effects
After Effects wird in den meisten Fällen im TV Bereich oder Agenturen eingesetzt. Es gibt jedoch auch öfters mal den Fall das sie für Kinoproduktionen verwendet wird. Sie ist besonders stark vertreten für Arbeiten im Bereich Motion Design. Die kostenlose Testversion ist jedoch nur einige Tage lang kostenlos nutzbar.

FOUNDRY Nuke
Nuke ist die weitverbreiteste Software im Kino Bereich für 2D VFX. Es gibt eine kostenlose Version mit der man sich in die Software einarbeiten kann.

Ich beherrsche z.B. nur Nuke und After Effects.


Tipp 2 – Üben, üben, üben…nur wie?

Im Bereich VFX muß man schon einiges auf dem Kasten haben, aber keine Sorge jeder fängt mal klein an und auch ich wußte damals nicht wo ich starten soll. Wichtig ist jedoch erstmal überhaupt anzufangen und dann regelmäßig mehrmals die Woche zu üben.
Unabhängig von den Vorkenntnissen ist es hilfreich Tutorials zu finden die einem dabei helfen eine Software kennen zu lernen. Dabei gibt es sehr viele kostenlos im Netz, aber auch bezahlte Seiten wie z.B. Lynda, Video2Brain, PluralSight und fxphd.

The Foundry bietet sogar selber eine Menge kostenlose Nuke Tutorials an. Weitere kostenlose Tutorials findest du auch auf dem Youtube Kanal von Pixeltrain.

Schau auch gerne mal auf meinem eigenen Youtube Kanal vorbei um weitere wertvolle Tipps und Tutorials zu bekommen, hier ist z.B. mein Basics Tutorial für After Effects.

BEZAHLT VS KOSTENLOS

Die Qualität schwankt sowohl bei den kostenlosen und auch bezahlten Videos, insofern kann ich dort keine Präferenz fest legen. Jedoch habe ich persönlich die besten Erfahrungen gemacht mit Tutorial DVDs die auf ein bestimmtes Programm ausgerichtet sind. Dort wird meistens von Beginn an recht viel erklärt, so daß man den richtigen Umgang mit dem Programm danach schon einigermaßen erlernt hat.

Diese DVDs müßen gar nicht die aktuellste Version der Software vermitteln, es reicht wenn man auf ältere Versionen zurück greift. Hier gibt es an den üblichen Online Verkaufsportalen schon oft DVds ab ca. 5€ die recht gut sind. Der Preis ist nur so niedrig weil sie eine veraltete Software Version betrachten, aber dies ist in der Regel egal wenn man erstmal nur die Basics lernen will da die sich meistens nicht ändern. Somit lohnt sich ein Kauf dieser günstigen Variante durchaus um einen Einstieg in eine Software zu bekommen.

DATEIEN ZUM ARBEITEN FINDEN

Um mit der Software üben zu können benötigt man natürlich auch Videomaterial. Falls man dieses selber nicht hat bieten die Bezahlvarianten in der Regel Dateien zum Download bzw auf der DVD an mit denen man dann arbeiten kann. Eine gute Bezugsquelle für kostenlose Medien sind hier aber auch Medien die mit der Creative Commons Lizenz gekennzeichnet sind. Googelt z.B. nach „Videos Creative Commons“.

Auf der Seite von RED findet man auch RED Videoclips die man kostenlos downloaden und zum Trainieren verwenden kann.


Tipp 3 – Demoreel…woher bekomme ich meine ersten VFX Aufträge?

Um sich zu präsentieren und einen guten Eindruck zu erschaffen sollte man sich ein Demoreel erstellen. Dabei handelt es sich um ein Video von 30-60 Sekunden Länge in dem eure besten Arbeiten gezeigt werden.

Hier findet sich mein VFX Demoreel:

WOHER BEKOMME ICH QUALITATIV HOCHWERTIGE SZENEN?

Wenn ihr nicht selber etwas filmen könnt weil ihr z.B. keine Kamera oder passenden Leute habt, sucht nach Interessenten im Internet. Ich habe damals damit angefangen für Studentenprojekte oder Independent Filme die VFX Arbeiten zu machen. Diese suchen immer wieder Leute die kostenlos Aufträge erledigen können. Ich habe z.B. bei Crew United gesucht (Unter Jobs. Dort kann man dann auch No Budget Projekte anzeigen lassen) oder in Themenspezifischen Facebook Gruppen werden solche Anfragen auch gerne gestellt.

Der große Vorteil daran ist das ihr ohne Große Mühe an gut aussehende Aufnahmen gelangt und ihr nur eine bestimmte Aufgabe erfüllen müßt und zwar die des Visual Artists.
Der Nachteil ist natürlich das das Ganze unbezahlt ist und die Leute euch i.d.R. nicht unterstützen können, da sie selber keine Ahnung von VFX und der Software haben (Warum sollten sie sonst auch jemanden suchen?).

UNBEZAHLT VS QUALITÄT

Da das Ganze aber unbezahlt ist muß man sich auch nicht wirklich schämen wenn das Endprodukt nicht ganz den Erwartungen entspricht. Zu Beginn habe ich nicht jeden Clip mit Bravour gemeistert und wurde sogar mal aus dem Projekt gekickt. Falls dies geschieht versucht trotzdem mit den Leuten abzusprechen ob ihr die Szene an der ihr gearbeitet habt in eurem Demoreel zu nutzen, wenn ihr selber hinter eurer Arbeit steht. Ich konnte das stets mit ein paar netten emails erreichen und somit die Szenen in meinem Demoreel verwenden, auch wenn sie nicht im finalen Film zu sehen waren. Wichtiger als das diese Clips im Film erscheinen, ist das ihr sie in eurem Demoreel verwenden könnt und ihr etwas dazu gelernt habt.

Übrigens: Fragt zu Beginn am besten nach ob ihr die Clips auch im Demoreel verwenden dürft, denn ansonsten kann man sich aus meiner Sicht gleich die Arbeit sparen.


Tipp 4 – Sei ein VFX Artist

Was soll das bedeuten? Im Endeffekt das ihr anfangt euch als Visual Effects Artist zu sehen und besonders euch so zu fühlen.

Zu Beginn hatte ich keine Referenzen vorzweisen und nicht genügend Erfahrung und behherrschte nur die Basics der Software. Innerlich habe ich mich deswegen also nicht wie ein VFX Artist gefühlt. Um das zu ändern und mein Mindset zu festigen, habe ich einfach angefangen immer wieder zu erzählen das ich Visual Effects Artist bin. Und zwar bei jeder Gelegenheit, ob im privaten oder beruflichen Bereich. Wenn ich z.B. im privaten Bereich oder bei Networking Events gefragt wurde was ich beruflich mache habe ich geantwortet das ich Video Editor und Visual Effects Artist bin.

In der Regel fragte keine Person direkt nach Demoreels oder einer Website und falls doch kann man auch ruhig insofern die Wahrheit sagen das man „noch keine Zeit“ hatte eine Website oder Demoreel zu erstellen. Das ständige Wiederholen hilft dabei in der Aussage und auch in seiner eigenen Überzeugung stärker zu werden und als VFX Artist aufzutreten. Mit den ersten (auch unbezahlten) Jobs die man erflogreich hinter sich gebracht hat, festigt sich die eigene Meinung über einen Selbst dann noch weiter.

Made with ♥ in Köln